Alten Wein trinken - Weinraritäten verkosten - Weindegustation
Den alten Wein trinken
Der alte Wein sollte nach dem Transport 2-3 Wochen ruhig gelagert werden.
Für den Genuss der Weinrarität möchten wir Ihnen im Folgenden einige Empfehlungen geben.
Das Öffnen einer uralten Flasche Wein ist immer eine spannende Angelegenheit. Bleiben Sie dabei nicht allein.
Laden Sie doch eine kleine Runde Gleichgesinnter (nicht mehr als 6 Personen) zur Weinverkostung ein. Diskutieren Sie Ihre Eindrücke.
Kostbarer Wein kann leicht von einem allzu gut gemeinten, allzu opulenten Essen erschlagen werden. Wenn intensiv gewürzte Speisen die Aufmerksamkeit beanspruchen, leidet schnell die Sensibilität dem Wein gegenüber.
Leichtere Snacks, etwas gereifter Käse, Brot und Wasser stillen den Hunger und neutralisieren das Geschmacksempfinden.
Investieren Sie in die Auswahl der Gläser. Dünnwandige Rotweinkelche erhöhen das sinnliche Vergnügen beim Verkosten.
Ergänzen Sie die Weinprobe mit einem vergleichbaren Wein jüngeren Datums. Es ist sehr reizvoll, die Merkmale eines jungen mit denen eines sehr alten Weines zu vergleichen.
Wenn möglich, wäre ein jüngerer Wein vom selben Weingut ideal. Es reicht aber auch, einen Wein ähnlicher Charakterisik heranzuziehen. Suchen Sie nach Übereinstimmung bei der Rebsorte, der Herkunftsregion und der Qualitätsstufe des Weines.
Beginnen Sie die Verkostung mit dem jüngeren Wein. Sie müssen nicht gleich die ganze Flasche leeren. Noch nicht einmal Ihr Weinglas.
Der Wein, vor allem wenn es sich um einen hochwertigen Qualitätswein handelt, gewinnt durch einen ruhigen, entspannten Umgang. Der Luftkontakt bringt ihn nach und nach zur Entfaltung.
Nebenbei: für die Verkostung von Wein reichen wenige Schlucke völlig aus. Professionelle Weinverkoster trinken bei Degustationen auch die edelsten Weine nicht wirklich: der Wein wird nach der Geschmacksprobe wieder ausgespukt.
Der Grund ist, daß sich der Alkohol sonst allzu schnell bemerkbar macht und die Geschmacksempfindungen vernebelt.
Während sie die Entwicklung des ersten Weines beobachten und ihren Lauf nehmen lassen, können Sie nun den Hauptakteur des Abends in den Mittelpunkt rücken.
Falls Sie eine Dekantierkaraffe verwenden möchten, dann füllen Sie den Wein vor dem Verkosten vorsichtig aus der Flasche in die Karaffe um.
Das Umgiessen dient 2 Zielen.
1) Der Wein wird behutsam belüftet.
2) Das eventuelle Depot bleibt beim vorsichtigen Umgiessen in der Flasche. Das Depot ist der Bodensatz, der sich bei alten Weinen bildet (vor allem bei pigmentreichen Rebsorten wie Pinot noir bei Burgundern und Nebbiolo beim Barolo und Barbaresco). Es bedeutet keine Beschädigung des Weins.
Übrigens kann ein leichter Korkgeschmack (Korkfehler) durch das Dekantieren durchaus beseitigt werden.
Alte Weine haben eine Besonderheit. Sie sind sehr fragil. Sie sollten daher entgegen einer verbreiteten Meinung nicht außerordentlich lange dem Sauerstoff ausgesetzt werden.
Verbringen Sie die Zeitspanne, die Sie dem Wein zur Entfaltung einräumen, nicht untätig. Lassen Sie sich lieber keine Entwicklungsphase der Weinrarität entgehen. Schnuppern Sie an der Flasche, schmecken Sie ruhig sofort nach dem Öffnen einen ersten Tropfen.
Anders als vergleichsweise junge Weine, sollte alter Wein nicht wieder verschlossen werden. Oft läßt die Qualität der Weinrarität nach ihrer Entfaltung schnell nach.
Sie können auch ganz auf das Verwenden einer Dekantierkaraffe verzichten. Wir empfehlen, lieber verschiedene Glasgrößen bereitzuhalten.
Enge Degustations-oder Weissweingläser können am Anfang zu einer besseren Konzentration führen. Danach kann man den Wein mit den großvolumigen Rotweingläsern vorsichtig belüften und gegebenenfalls erwärmen.
Während der Verkostung werden Sie die unterschiedlichen Reifegrade der beiden Weine nachvollziehen können.
Der jüngere Wein zeigt im Glas ein purpurfarbenes, bläuliches Rot, der ältere geht in Orange- und Brauntöne über. Der Farbverlauf bei einem alten Wein ist dabei stärker nuanciert.
Sie können dies vor allem am Glasrand beobachten. Pigmentreiche Weine wie Barolo (u.a. aus der Nebbiolorebe gewonnene Rotweine) und Cabernet Sauvignon geprägte Weine (z.B. aus dem Pauillac im Bordeaux) verlieren etwas an Farbintensität.
Ein junger Wein hat häufig seine Tannine (Gerbstoffe) noch nicht abgebaut und gemildert. Er läßt oft noch eine gewisse Rauhheit spüren. Die alte Weinrarität dagegen wird um vieles komplexer erscheinen.
Es kommt häufig vor, daß sich bereits Altersnoten bemerkbar machen, die man neben dem komplexen Zusammenspiel von Frucht, Süße und Säure herausschmeckt.
Übrigens: zuweilen wird bei hochwertigen Weinraritäten das Depot der Flasche entnommen und als Brotaufstrich gereicht.
Einige Hinweise zum Öffnen der Weinflasche:
Die alten Korken sind nicht mehr elastisch. Sie haben sich im Laufe der Zeit mit Wein vollgesogen. An der Kapsel sind häufig harte Verkrustungen entstanden.
Daher muss der Korkenzieher sehr, sehr vorsichtig verwendet werden.
Wir haben die besten Erfahrungen mit teflonbeschichteten Korkenziehern gemacht (z.B. Screwpull). Den Korken millimeterweise in Bewegung versetzen und gleichmäßig langsam herausziehen. Manchmal hilft es, den Korken erst einmal leicht nach innen zu drücken, damit er sich von eventuellen Krusten löst.
Die Gefahr, dass der Korken beim Herausziehen trotzdem reißt, ist sehr hoch. Im Fall der Fälle müssten die Reste dann in die Flasche gedrückt werden und beim Ausgießen ein feines Weinsieb verwendet werden.
Der gealterte Korken ist übrigens ein untrügliches Zeichen für die Echtheit des Weines.
Ein alter Originalkorken kann eine Weinflasche niemals wieder dicht verschließen. Man kann also nicht einen neuen Wein mit einem alten Korken fälschen.
Zuweilen wird in etwas oberflächlich recherchierten Artikeln (z.B. im Stern in Artikeln über den Weinraritätensammler Rodenstock) darüber spekuliert, daß vorsichtig gelöste Korken wertvoller Weine wiederverwendet würden.
Da alten Korken aber jede Elastizität fehlt, schließen sie die Wandung im Flaschenhals niemals wieder dicht ab, nachdem sie einmal bewegt worden waren.
Ein gut sitzender, dichter Korken ist bei einer Weinrarität ein entscheidendes Qualitätsmerkmal.
Auf dem Korken hochwertiger Weine finden sie die Angaben zum Weingut und Jahrgang*.
*Bitte beachten Sie, dass die Korken zunächst nur bei den 1er Grand Cru Weinen aus Chateau-Abfüllungen alle Angaben enthalten haben.
Heutzutage versieht jedes bessere Weingut die Korken mit einem Korkbrand. Zumeist steht dann der Jahrgang auch auf der Oberseite des Korkens und wird sichtbar, sobald man die Kapsel abgeschnitten hat
|